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Die Theorie der Schweigespirale

Große Resonanz weit über die Fachwelt hinaus fand Elisabeth Noelle-Neumann mit der Theorie der „Schweigespirale“.1) Diese Theorie versucht, Meinungsumschwünge in der Gesellschaft, insbesondere bei moralisch-emotional aufgeladenen Streitfragen, sozialpsychologisch zu erklären. Vielleicht gerade weil Noelle-Neumanns Annahmen zur sozialen Natur des Menschen kontrovers sind und populären Idealvorstellungen des rational gesteuerten, autonomen Individuums zuwiderlaufen, zählt die Schweigespirale zu den am meisten zitierten und replizierten Theorien der Sozialwissenschaften.2)

Die Theorie der Schweigespirale lässt sich in folgende Kernaussagen zerlegen:3)4)

  • Die meisten Menschen fürchten soziale Isolation.
  • Menschen beobachten daher ständig das Verhalten anderer, um einschätzen zu können, welche Meinungen und Verhaltensweisen in der Öffentlichkeit Zustimmung
oder Ablehnung finden.
  • Menschen üben Isolationsdruck auf andere aus, beispielsweise, indem sie den Mund verziehen oder sich abwenden, wenn jemand etwas sagt oder zeigt, das von der öffentlichen Meinung missbilligt wird.
  • Menschen neigen dazu, ihre eigene Meinung zu verschweigen, wenn sie denken, dass 
sie sich mit ihrer Meinung dem Isolationsdruck anderer aussetzen würden.
  • Diejenigen hingegen, die öffentliche Unterstützung spüren, neigen dazu, ihre Meinung laut und deutlich zu äußern.
  • Laute Meinungsäußerungen auf der einen und Schweigen auf der anderen Seite setzen den Schweigespiralprozess in Gang.
  • Dieser Prozess entzündet sich typischerweise an emotional aufgeladenen Themen.
  • Herrscht in einer Gesellschaft Konsens, ist es unwahrscheinlich, dass eine Schweigespirale in Gang kommt. Es sind üblicherweise kontroverse Themen, bei denen ein Schweigespiralprozess entsteht.
  • Die tatsächliche Stärke der Meinungslager muss nicht ausschlaggebend sein für ihr Gewicht in einem Schweigespiralprozess. Die Meinung einer Minderheit kann in der Öffentlichkeit als Mehrheit erscheinen, wenn ihre Anhänger nur selbstbewusst genug auftreten und ihre Meinung öffentlich mit Nachdruck vertreten.
  • Die Massenmedien können einen maßgeblichen Einfluss auf Prozesse der öffentlichen Meinung ausüben. Wenn die Medien wiederholt („kumulativ“) und übereinstimmend („konsonant“) ein Meinungslager unterstützen, hat es deutlich erhöhte Chancen, aus der Schweigespirale als Sieger hervorzugehen.
  • Isolationsfurcht und Isolationsdrohung sind unterschwellig wirksam, die meisten Menschen denken nicht bewusst darüber nach, inwieweit sie ihr Verhalten an der öffentlichen Meinung orientieren.
  • Öffentliche Meinung findet ihre Grenzen in Zeit und Raum. Soziale Kontrolle durch öffentliche Meinung gibt es immer und überall, wo Menschen in Gesellschaften zusammenleben. Was konkret von der öffentlichen Meinung gebilligt oder abgelehnt wird, ändert sich jedoch mit der Zeit und unterscheidet sich von Ort zu Ort.
  • Öffentliche Meinung stabilisiert und integriert die Gesellschaft, weil Konflikte durch Schweigespiralen zugunsten jeweils einer Auffassung beigelegt werden. Man spricht in diesem Zusammenhang von der Integrationsfunktion der öffentlichen Meinung.
1. Elisabeth Noelle-Neumann: Die Schweigespirale. Öffentliche Meinung – unsere soziale Haut. Piper, Zürich/München 1980.
2. Wolfgang Donsbach: Die Schweigespirale. In: Christina Holtz-Bacha & Arnulf Kutsch (Hrsg.): Schlüsselwerke für die Kommunikationswissenschaft (S. 336-339). Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2002.
3. Thomas Roessing: Öffentliche Meinung. In: Wolfgang Schweiger & Andreas Fahr (Hrsg.): Handbuch Medienwirkungsforschung (S. 481-494). Springer, Wiesbaden 2013.
4. Elisabeth Noelle-Neumann & Thomas Petersen: The spiral of silence and the social nature of man. In: L.L. Kaid (Hrsg.): Handbook of Political Communication (S. 339–356). Lawrence Erlbaum, London 2004.
Dax geht mit massiven Verlusten ins Wochenende

Dax auf Talfahrt

18.00 Uhr:Der deutsche LeitindexDax verlor am Freitag 2,7 Prozent und schloss bei 10.038 Punkten. Kurzzeitig war er unter die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten gefallen. Auf Wochensicht verbucht der Dax ein Minus von 2,53 Prozent.

DerMDax büßte am Freitag 2,3 Prozent ein, derTecDax 1,76 Prozent.

Zu den größten Verlierern im Dax gehörten die VersorgerE.on undRWE . Sie fielen jeweils um rund fünf Prozent. AuchThyssenKrupp und die Aktien derDeutschen Bank notierten schwach. Gewinner des Tages warLufthansa – die Aktien kletterten um 4,99 Prozent.

Grund für die starken Kursverluste war die Bekanntgabe der Arbeitsmarktdaten in den USA: Die Arbeitslosenquote fiel auf 5,1 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit April 2008. Das Jobwachstum blieb allerdings hinter den Erwartungen zurück. Die Entwicklung am Arbeitsmarkt ist von entscheidender Bedeutung für die Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve, die unter anderem das Ziel der Vollbeschäftigung verfolgt. Die Märkte sind nun unsicher, ob Fed-Chefin Janet Yellen schon im September erstmals seit der Finanzkrise wiederdie Zinsenanhebt. Diese Unsicherheit ist Gift für die Kurse. Der US-Leitindex Dow Jones notierte tief im Minus.

Österreich erwartet bis zu 10.000 Flüchtlinge

Österterreich stellt sich darauf ein, dass am Samstag bis zu 10.000 Flüchtlinge die Grenzen überschreiten werden. Das meldet die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf die Polizei des Landes. Nach tagelangem Warten und Auseinandersetzungen mit der ungarischen Polizei  waren In den frühen Morgenstunden bereits 4000 Menschen nahe der Ortschaft Nickelsdorf über die Grenze gekommen. Viele von ihnen hatten Deutschland als Ziel gennant. Ein erster Sonderzug mit 500 Flüchtlingen aus Nickelsdorf wird laut Angaben der Deutschen Bahn zwischen 12.00 und 13.00 Uhr in München erwartet.

Überraschend hatten in der Nacht die in Ungarn gestrandeten Flüchtlinge in Richtung Österreich und Deutschland ausreisen dürfen. Auf ungarischer Seite werden die meisten Flüchtlinge nun mit Bussen an die Grenze gefahren, bevor sie auf der österreichischen Seite von Helfern mit Wasser und Nahrungsmitteln versorgt werden. Die österreichische Polizei beklagt die mangelnde Kooperation Ungarns beim Weitertransport. Man habe die Polizei im Grenzort im Hegyeshalom vergeblich gebeten, die ungarischen Busse bis in den österreichischen Grenzort Nickelsdorf fahren zu lassen, berichtete der Landespolizeidirektor Hans Peter Doskozil der österreichischen Nachrichtenagentur APA.

Die Regierungen in Wien und Berlin hatten sich darauf geeinigt, den Flüchtlingen die Einreise zu gewähren. „Wir sind glücklich. Wir werden nach Deutschland gehe“, sagte ein Syrer bei der Ankunft.

Der erste Bus mit Flüchtlingen war am frühen Morgen an der österreichischen Grenze angekommen, wie die ungarische Nachrichtenagentur MTI berichtete. Dort hätten Österreicher sie mit Applaus, Willkommensplakaten und Essen erwartet. Der Bus kam aus Zsambek, 33 Kilometer westlich von Budapest, wo besonders misstrauische Flüchtlinge zu Fuß Richtung Westen unterwegs waren. Sie ließen von mehreren zur Verfügung stehenden Bussen nur einen einzigen losfahren – unter der Bedingung, dass auch Journalisten oder Aktivisten mitfahren. Sie hatten Angst, dass die Regierung sie wieder in ein ungarisches Flüchtlingslager bringen wolle anstatt an die Westgrenze. Nachdem sie erfahren hatten, dass der erste Bus an der österreichischen Grenze angekommen war, folgten sie in weiteren zehn Bussen.